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3PL-Kosten DACH 2026 – Was ist marktüblich?

Konkrete Preis-Range für Pick, Pack, Storage und Surcharges im DACH-Raum, basierend auf operativer Erfahrung.

VON FABIAN RICHTER08. Juni 202610 MIN

3PL-Preise sind nicht öffentlich. Wer dir sagt, was „marktüblich" ist, hat entweder Jahre operative Erfahrung im Maschinenraum — oder etwas zu verkaufen. Meistens letzteres.

Ich habe sechs Jahre lang ein 3PL geführt und auf der anderen Seite des Tisches Hunderte von Pricing-Kalkulationen aus nächster Nähe gesehen — wie sie gerechnet werden, wie sie gegen Wettbewerber positioniert werden, und welche Annahmen am Ende den Preis bestimmen. Was du hier liest, sind Ranges, die ich aus operativer Praxis 2025/2026 im DACH-Raum kenne. Keine White-Paper-Zahlen, keine Investor-Slides. Was dir tatsächlich auf der Rechnung steht.

Disclaimer vorab: Alle Werte sind Bandbreiten. Sie hängen von SKU-Profil, Monatsvolumen, Region, Karton-Größenmix, Retourenquote und Branche ab. Wer dir auf eine Anfrage in 24 Stunden ein verbindliches Angebot legt, ohne diese Variablen zu kennen, kalkuliert vorsichtshalber 20 % Puffer ein. Den zahlst dann du.

Pick & Pack

Pick & Pack ist die Kostenstelle, die in der ersten Mail glänzt und in Monat drei den Bauchschmerz macht. Hier die Ranges für DACH-Standardware (kein Sperrgut, kein Pharma) bei mittleren Volumen von 10.000 bis 50.000 Paketen pro Monat:

Preis-Range Pick & Pack

PositionRange DERange ATRange CH
Pick (erstes Item)0,75 – 1,30 €0,85 – 1,45 €1,10 – 1,80 €
Pick (zusätzliches Item)0,10 – 0,25 €0,12 – 0,28 €0,15 – 0,35 €
Pack (Standardkarton)0,20 – 0,45 €0,25 – 0,50 €0,30 – 0,60 €
Pack (custom-branded / Geschenkverpackung)0,40 – 0,90 €0,45 – 0,95 €0,55 – 1,20 €

Die CH-Range ist konstant teurer, weil Schweizer Lohnniveau plus geringere Skalen. AT liegt typischerweise 10–15 % über DE.

Was die Ranges so weit macht

Vier Treiber:

  1. SKU-Profil. 200 SKUs, alle gut handhabbar, alle ABC-A: Pick im unteren Drittel. 8.000 SKUs mit langer Tail, ein Drittel zerbrechlich, Hälfte braucht Folie: oberes Drittel oder höher.
  2. Lager-Layout. „Mann zur Ware" (klassisches Regallager, Kommissionierer läuft) hat höhere Lohnanteile pro Pick. „Ware zum Mann" (AKL, Shuttle, AutoStore) hat geringe Variable-Kosten, aber höhere Storage-Sätze. Du zahlst die Automatisierung über das Lager.
  3. Automatisierungsgrad. Vollautomatisierte AutoStore-Setups bei großen 3PLs liegen bei Pick (erstes Item) teilweise bei 0,55–0,70 €. Aber: Du musst die Mindest-Volumen-Verpflichtung mittragen.
  4. Volumen. Unter 3.000 Pakete/Monat zahlst du eine 3PL-Strafsteuer von ungefähr 30 %. Ab 30.000 Paketen kommen ernsthafte Konditionen auf den Tisch.

Häufige Tricks: „All-in"-Pakete

Pass auf, wenn du Angebote bekommst, die mit „2,90 € all-in pro Paket" werben. Das sieht gut aus, ist aber meistens eine Verschleierungstaktik. Drei typische Muster:

  • Storage ist nicht enthalten. Pro SKU sind dann plötzlich 22 € im Monat fällig, und bei deinen 1.200 SKUs sind das 26.400 € jährlich, die du in der Angebotsphase nicht gesehen hast.
  • Bemaßungs-Aufschläge greifen. Alles über 20×20×10 cm wird als „Sondergröße" abgerechnet. Plötzlich sind 40 % deiner Pakete in einer teureren Klasse.
  • Surcharges-Katalog im Kleingedruckten. Etikettierung, Stretchfolie, Mehrteile-Picks oberhalb von 3 Positionen — alles separat.

Wer dir < 0,75 € für Pick (erstes Item) verspricht, kompensiert das woanders. Frag nach dem vollständigen Surcharge-Katalog, bevor du unterschreibst.

Storage / Lagerung

Storage ist die Position, auf die viele Brands schauen, wenn sie 3PLs vergleichen — und in Monat sechs feststellen, dass Bemaßungs-Aufschläge ihre Kalkulation halbiert haben.

Preis-Range Storage (pro Stellplatz, pro Monat)

LagertypRange DACH
Regallager — Karton-Stellplatz (60×40×30 cm)0,80 – 1,80 €
Regallager — größere Fachgröße12 – 18 €
Palettenplatz (Euro/CHEP, Standard)12 – 22 €
Palettenplatz (premium, Ballungsraum)22 – 38 €
Hochregal/AKL/Shuttle (pro Behälter)0,90 – 2,20 €
Klimatisiertes Lager (Beauty/Pharma, Aufschlag)+15 – 30 %
Gefahrgut-Lager (ADR)+25 – 50 %

Die Spannbreite beim Palettenplatz hat eine reale Erklärung: Eine Palette in einem 3PL im Großraum München oder Zürich kostet 28–35 €. Dieselbe Palette bei einem ländlichen Anbieter im Niederösterreich-Süden oder Sachsen-Anhalt kostet 12–16 €. Lohnkosten plus Immobilienmieten erklären den Großteil.

Volumetric-Aufschläge: wie 3PLs Bemaßung optimieren

Hier liegt einer der häufigsten unsichtbaren Kostentreiber. Ein 3PL bemisst Storage in der Regel über das tatsächlich belegte Fach, nicht über das Produktvolumen. Wer ein 30×30×40 cm-Produkt in ein 60×40×40 cm-Standardfach legt, zahlt für das ganze Fach — also die volle 96-Liter-Klasse, nicht die 36-Liter-Klasse des Produkts.

Im Carrier-Geschäft funktioniert das ähnlich nach dem 1:5000-Divisor: Volumetrisches Gewicht = (L × B × H in cm) / 5000. Bei Karton 40×30×20 cm sind das 4,8 kg volumetrisch, auch wenn das tatsächliche Gewicht 1,2 kg beträgt. Du zahlst die 4,8 kg.

Hebel: Eine echte Karton-Konsolidierung (vier statt zwölf Größenklassen, abgestimmt auf deine Top-20-SKUs) reduziert die durchschnittliche Bemaßung um 15–25 %. Das schlägt sich sowohl im 3PL-Storage als auch in den Carrier-Tarifen nieder.

Saisonale Spitzen („Peak-Slots")

Q4-Slots bei mittelgroßen DACH-3PLs sind im Q1 schon teilweise vergeben. Wer im September anfragt, zahlt für Oktober–Dezember oft Aufschläge von 20–40 % auf die normalen Storage-Sätze — oder findet kein Lager mehr. Realistisch: Wenn du in Q4 stark wächst, verhandle die Peak-Konditionen schon bei Vertragsabschluss.

Returns / Retouren

Eine Retoure kostet operativ zwei- bis dreimal so viel wie ein Outbound. Sie muss angenommen, geprüft, ggf. neu verpackt und wieder eingelagert werden. Die Kostenstruktur:

Retouren-AktionRange DACH
Annahme + einfaches Re-Stocking (A-Ware)1,80 – 3,50 €
Mit Sichtprüfung + Re-Konfektionierung3,50 – 6,80 €
Komplexitäts-Aufschlag (Beauty, Schmuck, Sets)+1,50 – 4,00 €
Entsorgungspauschale (B-/C-Ware)0,80 – 2,50 €
Returns-as-a-Service (inkl. Rücksendelabel + Portal)4,50 – 9,00 €

Branchen-Realität: About You hat in Geschäftsberichten Retourenkosten von 8–12 € pro Stück kommuniziert. Das ist Fashion mit hoher Komplexität und teurer Sichtprüfung, also obere Range. Wer in Standard-Consumer-Goods unterwegs ist und einen guten Prozess hat, liegt eher bei 3–5 €.

Value-Added Services (VAS)

Alles, was über das reine Pick-Pack-Ship hinausgeht. Ranges für DACH 2026:

ServiceRange
Etikettieren / Re-Labeling0,15 – 0,45 € pro Stück
Sets bilden (Bundling, 2–3 SKUs)0,80 – 2,50 € pro Bundle
Kit-Assembly (komplex, > 5 Komponenten)2,80 – 6,50 € pro Kit
Geschenkverpackung1,20 – 3,80 € pro Auftrag
B2B-Versand auf Palette (Kommissionierung pro Karton)0,80 – 1,80 €
IOSS/OSS-Cross-Border-Handling0,15 – 0,40 € pro Auftrag
Manuelle Sonderprüfung (pro Minute)0,55 – 1,10 €

Hinweis zu IOSS: Wenn du ein Non-EU-Seller bist, brauchst du einen EU-Intermediär. Dessen Jahresgebühr liegt typischerweise zwischen 500 und 2.000 €, abhängig vom Sendungsvolumen. Das ist nicht im 3PL-Tarif drin und gerne vergessen.

Carrier-Domestic-Tarife (DE / AT / CH)

Carrier-Tarife sind nicht öffentlich, nicht standardisiert und nicht „fair". Sie sind Verhandlungsergebnisse. Was ich hier nenne, sind Ranges, die ich aus konkreten Verhandlungs-Setups 2025/2026 kenne. Die untere Range bekommst du ab 100.000 Paketen pro Jahr, die obere bei < 20.000.

Deutschland

CarrierStandardpaket 2 kg5 kg
DHL Paket (DE)3,80 – 5,40 €4,50 – 6,80 €
DPD (DE)3,40 – 5,10 €4,20 – 6,30 €
GLS (DE)3,30 – 5,00 €4,10 – 6,20 €
Hermes/Evri (DE)2,90 – 4,40 €3,80 – 5,50 €

DHL hat zum 1. Januar 2026 Geschäftskunden-Tarife erhöht. Konkrete Berichte aus Händlerverbänden sprechen von etwa 8 % bis 9 % Erhöhung auf das gesamte Portfolio, im Kleinpaket-Segment teilweise bis zu 20 %. Die individuellen Verträge variieren stark — ein Großkunde mit > 500.000 Paketen/Jahr verhandelt anders als ein Mittelständler mit 30.000.

DPD und GLS staffeln nicht nach Gewicht, sondern nach Summe aus längster und kürzester Seite (S/M/L). Das ist günstig für leichte, kompakte Ware (Kosmetik, Schmuck), ungünstig für leichte, voluminöse Ware (Schuhkartons, Spielzeug).

Österreich

CarrierStandardpaket 2 kg5 kg
Österreichische Post (AT)4,40 – 6,50 €5,50 – 8,20 €
DPD AT4,10 – 6,20 €5,20 – 7,80 €
GLS AT4,00 – 6,00 €5,10 – 7,60 €

Die Österreichische Post hat zum 1. Januar 2026 ebenfalls Tarife angepasst. Listenpreis (Privatkunde) für Paket bis 2 kg liegt 2026 bei 7,39 € inkl. MwSt., für Paket bis 10 kg bei 12,48 € (post.at). Geschäftskunden-Konditionen liegen typischerweise 30–50 % darunter.

Schweiz

CarrierStandardpaket 2 kg5 kg
Schweizer Post — PostPac Economy6,50 – 9,20 € (CHF 6,00 – 8,50)7,80 – 11,50 €
Schweizer Post — PostPac Priority9,00 – 13,50 €11,50 – 17,00 €
DPD CH / Planzer6,20 – 8,90 €7,50 – 11,00 €

Schweizer Post hat zum 1. Januar 2026 PostPac Economy um 50 Rappen pro Sendung erhöht. Geschäftskunden mit > CHF 2.000 Monatsumsatz bekommen 8 % Rabatt, zusätzlich CHF 1,50 Online-Discount pro Sendung über die Geschäftskunden-Plattform. Im ersten Halbjahr 2026 gibt es einen temporären zusätzlichen Online-Rabatt von CHF 0,50 bis CHF 2,00.

Surcharges

Die Sektion, in der die meisten Brands die Kontrolle verlieren. Pauschal: Surcharges machen 8–18 % deines Carrier-Totals aus, wenn du sie nicht aktiv managst.

SurchargeRange
Sperrgut (> 120 cm Längste Seite oder > 31,5 kg)9,00 – 32,00 €
Insel-/Spezialzonen DE (DPD/GLS, Speditionen — DHL Paket meist neutral)3,50 – 12,00 €
Berggebiete AT (Tiroler/Kärntner Hochtäler)1,80 – 4,50 €
Schweizer Bergzonen / Tessin-Aufschlag2,50 – 6,00 €
Express / Same-Day4,00 – 18,00 €
Sonntags-/Wunschtermin1,80 – 5,50 €
Letzte-Meile-Aufschlag Großstadt (Wien, Zürich, Berlin)0,80 – 2,50 €
CO2-Aufschlag / GoGreen Plus (DHL: Opt-out ab 2025/26, 10 % Emissionsreduktion)0,05 – 0,20 € pro Paket
Treibstoff-/Energie-Floater4 – 11 % aufs Grundentgelt

DHL Sperrgut-Aufschlag liegt bei aktuell 28,99 € innerhalb DE — das ist also keine Range, sondern ein klar definierter Tarif für Volumen über 120 × 60 × 60 cm bzw. > 31,5 kg.

GoGreen wurde zum 1. Januar 2026 für neue DHL-Geschäftskunden eingestellt. DHL hat das durch GoGreen Plus ersetzt — Opt-out-Modell mit pauschaler 10 %-Emissionsreduktion und festem Aufpreis. Wer das nicht aktiv abwählt, zahlt automatisch mit.

Total-Cost-Beispielrechnung

Was kostet ein realistisches Setup im Monat? Beispielshop:

  • 10.000 Pakete/Monat
  • 2,3 Items pro Order (gut für Mid-Market Beauty/Apparel)
  • 1,5 kg Durchschnittsgewicht
  • 12 % Retourenquote (eher konservativ; Apparel/Fashion liegt höher)
  • 800 SKUs aktiv
  • DE-fokussiert (90 % DE, 8 % AT, 2 % CH)

Monatliche Kalkulation (mittlere Range)

PositionBerechnungMonat
Pick (erstes Item)10.000 × 1,00 €10.000 €
Pick (zusätzliche Items)10.000 × 1,3 × 0,18 €2.340 €
Pack (Standard, 50 % branded)10.000 × 0,55 € Mix5.500 €
Verpackungsmaterial10.000 × 0,85 €8.500 €
Storage (800 SKUs, Karton-Mix)800 × 6,50 €5.200 €
Carrier (DHL, gewichteter Mix)10.000 × 4,40 €44.000 €
Surcharges (10 % auf Carrier)44.000 × 10 %4.400 €
Retouren-Handling (12 %)1.200 × 4,20 €5.040 €
Carrier-Retoure (1.200 Labels)1.200 × 3,20 €3.840 €
VAS (Beilagen, Inserts)10.000 × 0,12 €1.200 €
Summe Monat90.020 €
Summe Jahr1.080.240 €

Heißt: Bei 10.000 Paketen/Monat landest du im DACH-Markt 2026 realistisch zwischen 8,50 und 10,80 € all-in-Vollkosten pro Paket. Wer mit < 7 € operiert, hat entweder ein Spezialsetup (extrem leichte Ware, sehr wenig Custom-Branding, hohe Volumen) — oder nicht alle Kosten transparent.

Wann sind 3PL-Preise verhandelbar?

Es gibt klare Volumen-Schwellen, an denen 3PLs ernsthaft nachgeben:

  • < 3.000 Pakete/Monat: Strafsteuer, kaum Verhandlungsspielraum. Du bist Beifang.
  • 3.000–15.000: Pick und Storage sind hart, aber Surcharges und VAS sind verhandelbar.
  • 15.000–50.000: Echte Verhandlung. Pick & Pack im unteren Drittel der Range erreichbar, Storage je nach SKU-Profil.
  • 50.000–200.000: Du wirst KAM-Kunde. Maßgeschneiderte Tarife, eigene Slot-Allokation, manchmal dedizierte Linien.
  • > 200.000: Du verhandelst nicht mehr Pricing, du verhandelst Vertragsstrafen und SLAs.

Bei Carrier-Tarifen ist das Verhandlungspotenzial pauschal 25–40 %, wenn du nie verhandelt oder mehr als drei Jahre nicht angefasst hast. Die meisten Brands lassen genau hier Geld liegen — weil DHL-KAMs nicht von alleine anrufen, um deine Tarife zu senken.

Nächste Schritte

Wenn du wissen willst, wo du in dieser Range konkret stehst:

  • Paket 01 – Fulfillment-Audit: Strukturierte Vollkosten-Analyse deines aktuellen Setups. Ich nehme deine Rechnungen, dein SKU-Profil und dein Pakete-Mix und sage dir innerhalb von 14 Tagen, wo du gegenüber dem Markt stehst und welche Hebel realistisch sind.
  • 3PL-Kostenrechner: Schneller Selbst-Check. Gib dein Volumen, SKU-Zahl und Carrier-Setup ein und bekommst eine erste Vollkosten-Indikation.

Was du nicht tun solltest: Tabellen wie diese als verbindliches Angebot interpretieren. Die echten Zahlen sind in deinen Verträgen — und in den Surcharge-Katalogen, die niemand liest.

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